Mehr Gewinn mit weniger Risiko - So handeln Sie erfolgreich mit dem Trend

RISK REWARD

Es gibt unzählige Handelsmethoden, mit denen Anleger und Trader an den Finanzmärkten agieren können. Eine der am häufigsten verwendeten Trading-Techniken ist dabei der Trendfolgeansatz. Diese Methode gelangte bereits in den 1980er-Jahren durch die spektakulären Erfolge der von Richard Dennis ausgebildeten Turtle Trader zu Berühmtheit. Wir arbeiten in diesem Beitrag deshalb die grundlegenden Eigenschaften dieser Methode heraus und zeigen, unter welchen Bedingungen mit Trendfolgeansätzen solide Gewinne an den Börsen erzielt werden können.

Im Wesentlichen werden zwei Herangehensweisen zur Herleitung von Investitionsentscheidungen an den Finanzmärkten unterschieden: die Fundamentale und die Technische Analyse. Beiden ist gemeinsam, dass nur dann Geld damit verdient werden kann, wenn sie es schaffen, bei den großen Trends an den Börsen auf der richtigen Seite dabei zu sein. Bei der Fundamentalen Analyse wird versucht, aufgrund makroökonomischer oder betriebswirtschaftlicher Kennzahlen den Wert eines Investments zu beurteilen (sogenannter fairer Wert). Danach muss dieser Wert mit dem aktuellen Preis verglichen werden. Liegt dieser unter dem errechneten Wert, ist das Investment teuer und damit nicht lohnenswert (überbewertet). Im umgekehrten Fall könnte sich die Investition rechnen (unterbewertet).

Die Technische Analyse (TA) wählt einen vollkommen anderen Ansatz zur Bewertung von Finanzanlagen. Dabei werden drei zentrale Annahmen zugrunde gelegt, die wir uns im Folgenden genauer anschauen.

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Technische Analyse: Die Grundannahmen

Erstens geht die TA davon aus, dass sämtliche Informationen bereits in den Kursen enthalten sind. Daher ergibt es auch keinen Sinn, neueste Unternehmensnachrich-ten aufzuspüren oder volkswirtschaftliche Daten der unterschiedlichsten Ökonomien zu bewerten. Alles ist bereits in den Kursen enthalten. Ein Technischer Analyst benötigt zur Erstellung der Analyse einer Aktie, Devise oder eines Rohstoffs demzufolge nur die historischen Kurszeitreihen, wobei teilweise auch die Daten zum Handelsvolumen einbezogen werden.

Die zweite Annahme besagt, dass sich die unterschiedlichsten Entwicklungen an den Märkten ständig wiederholen. Die TA versucht, immer wiederkehrende Muster an den Märkten aufzuspüren, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit am Beginn einer größeren Trendphase aufgetreten sind. Auf Basis historischer Daten wird gemessen, wie erfolgreich ein Investment in der Vergangenheit war, wenn bestimmte Regeln eingehalten wurden. Sofern sich bei dieser vergangenheitsbezogenen – rein hypothetischen – Analyse ein Ergebnis mit signifikant positivem mathematischem Erwartungswert ergibt, kann das identifizierte Muster im praktischen Handel eingesetzt werden.

Dabei wird unterstellt, dass sich die Kursentwicklungen der Zukunft ähnlich verhalten, wie in der Vergangenheit: „Die Geschichte wiederholt sich.“ Wem diese Aussage zu gewagt erscheint, der kann sich auch mit dem Bonmot „Geschichte wiederholt sich nicht – aber sie reimt sich sehr gut“ begnügen. Denn die Analyse von Vergangenheitsdaten führt lediglich zu Wahrscheinlichkeitsaussagen à la Form: „Beim Auftreten dieser oder jener Formation gab es in der Vergangenheit mit einer Wahrscheinlichkeit von x Prozent eine Trendfortsetzung!“ Eine sichere Aussage wird es im Zusammenhang mit der Kursentwicklung an den Börsen nie geben.

Als dritte und letzte Grundannahme der TA wird unterstellt, dass sich Märkte in Trends bewegen. Dabei können Trends in drei Richtungen zeigen, die in der unter-schiedlichsten Weise gewinnbringend genutzt werden können: aufwärts, seitwärts und abwärts (Bild 1).

Bild 1: Trendarten

B1 Trendarten

Im Bild 1 werden die unterschiedlichen Trendarten gezeigt: Trends können in drei Richtungen zeigen: aufwärts, seitwärts oder abwärts. Der Aufwärtstrend ist durch eine Folge ansteigender Hoch- und Tiefpunkte definiert, analog ein Abwärtstrend durch eine Folge fallender Hoch- und Tiefpunkte. Im Seitwärtstrend laufen Auf- und Abwärtsbewegungen in einer Spanne.

Trendfolge als Teilgebiet der Technischen Analyse

Wie die Bezeichnung bereits erahnen lässt, handeln trendfolgende Anleger – die sogenannten Trendfolger – stets in Richtung des vorherrschenden Trends. Da sich die Kurse natürlich nicht linear entwickeln, beinhaltet der Begriff „Trend“ die Richtung einer Serie von Hoch- und Tiefpunkten. So ist ein Aufwärtstrend durch eine Folge ansteigender Hoch- und Tiefpunkte definiert und ein Abwärtstrend durch eine Folge fallender Hoch- und Tiefpunkte.

Die Trendfolger folgen dem Trend, bleiben also solange darin investiert, bis dieser wechselt. Dementsprechend laufen die Trendfolger dem Trend stets hinterher, sodass Kaufsignale (Ende eines Abwärtstrends, Beginn eines Aufwärtstrends) und Verkaufssignale (Ende eines Aufwärtstrends, Beginn eines Abwärtstrends) erst dann eintreten, wenn sich der neue Trend bereits etabliert hat. Trendfolger reagieren  auf eine Trendveränderung also mit einer mehr oder weniger großen Verzögerung und damit stets relativ spät.

Aufgrund dieser verzögerten Reaktion sind die Trendfolger in Phasen mit länger andauernden und nachhaltigen Trends recht erfolgreich, während sich in Seitwärtstrends die Fehlsignale häufen. In diesen Sägezahnmärkten, die durch eine uneinheitliche Entwicklung mit lediglich sehr kurzfristigen und betragsmäßig eng begrenzten Auf- und Abwärtsbewegungen gekennzeichnet sind, erfolgen die Trendsignale häufig kurz bevor der Kurs wieder seine Richtung wechselt. Die Konsequenz daraus ist eine Kette von Fehlsignalen, die erst dann ihr Ende nimmt, wenn der Markt wieder einen eindeutigen Auf- oder Abwärtstrend einschlägt

Wie entstehen Trends?

Trends sind in nahezu allen Bereichen des Lebens fest-zustellen.  Im Bereich  der Mode,  Gesundheit,  Musik, Autos, Reisen und natürlich an der Börse. Allen Trends ist eine bestimmte Abfolge von Ereignissen gemeinsam. Zunächst fangen einige wenige Menschen an, sich für eine bestimmte Sache zu interessieren. Wenn zum Beispiel nach und nach immer mehr Menschen mit einem iPhone telefonieren, dann entsteht  ein Trend. Starke Trends werden sichtbar, wenn Sie einer immer größeren Zahl von an Menschen begegnen, die ebenfalls ein iPhone verwenden.

Trends sind also ein Massenphänomen. Dieses Phänomen ist nicht neu. Es wurde bereits 1895 von Gustave  Le Bon  in  seinem  Buch  „Psychologie  des foules“ (Psychologie der Massen) – ein auch heute noch lesenswertes, weil zeitlos aktuelles Buch – sehr konkret beschrieben.

Die Trendbildung an den Börsen funktioniert nach dem gleichen  Schema. Zunächst interessiert sich nur ein kleiner Kreis von Anlegern für eine bestimmte Aktie. Sobald das Handelsvolumen der Aktie eine kritische Masse überschreitet, werden immer mehr Investoren auf diese Aktie aufmerksam. Steigt aber die Nachfrage nach einer Aktie, dann wird bei gleichbleibendem Angebot der Preis steigen – nach dem Prinzip: „Die Hausse nährt die Hausse.“ Anders ausgedrückt:  Trends tendieren  dazu, sich selbst zu verstärken. Irgendwann kommt dann aber der Punkt, an dem die ersten Investoren beginnen, sich von diesem Trend zu verabschieden und ihre Aktien verkaufen. Nun beginnt ein neuer Zyklus, allerdings dieses Mal nach unten gerichtet.

Das Dilemma liegt nun darin, dass die wenigsten Menschen in der Lage sind, einen Börsentrend bereits am Anfang zu erkennen. Das häufig anzutreffende Investorenverhalten sieht sowohl bei privaten als auch bei institutionellen Anlegern in aller Regel gleich aus. Die Psychologie der Anleger spielt eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung von Börsenkursen. Dadurch wird eine Prognose zukünftiger Kurse zum hoffnungslosen Unterfangen, weil sich die menschliche Psyche nun mal nicht in eine greifbare Formel packen lässt. Daneben sind die Interessen der unzähligen Anleger zu verschieden, um daraus einheitliche Schlüsse ziehen zu können. Eine passende Grafik hierzu finden Sie auch im beigelegten Psychologie Spezial im Artikel „Am Hoch kaufen, am Tief verkaufen“.

Der typische Anlegerfehler ist in diesem Zusammenhang die Vernachlässigung der Regel „Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen“. Als Ursache ist hier ein falscher Referenzpunkt auszumachen. Denn der Anleger orientiert sich nur an seinem Einstiegs- beziehungsweise Ausstiegskurs. Und genau hier liegt der entscheidende Punkt beim Trendfolge-Trading. Bei der Trendfolge orientieren sich die Anleger an Kursen, die ihnen vom Markt vorgegeben werden.

Aktionen eines Trendfolgers am Beispiel eines idealtypischen Aufwärtstrends

Um den entscheidenden Unterschied zum emotionalen Anleger zu verdeutlichen, wollen  wir nun am Beispiel eines  idealtypischen Aufwärtstrends  die  Vorgehensweise eines Trendfolge-Traders untersuchen. Betrachten Sie hierzu die stilisierte Grafik eines Aufwärtstrends in Bild 2. Wir starten bei Punkt A. Dort beginnt ein neuer Trend. Zu diesem Zeitpunkt kann das aber noch niemand wissen. Einige wenige Anleger beginnen, in diesen Markt zu investieren. Trader, die versuchen, den Tiefpunkt eines Marktes zu erwischen, werden aber häufig falsch liegen und langfristig kaum Erfolg haben.

Nachdem sich der Aufwärtstrend bereits etwas vom vorangegangenen Tief nach oben abgesetzt hat, erhalten auch trendfolgende Investoren ihr Einstiegssignal, und zwar am Punkt B. Dieses ergibt sich durch das Kreuzen des Kurses mit dem Trendfolgeindikator. In diesem Fall ist dies ein Gleitender Durchschnitt (GD)*. Von nun an ist der Kurs des GDs der einzige Referenzpunkt für unseren trendfolgenden Anleger. Das ist der entscheidende Unterschied zu einem emotional agierenden  Investor, der als Referenzpunkt eben nur den Kaufpreis hat.
Solange sich die Kurse des Investmentobjekts oberhalb des Trendfolgeindikators bewegen, bleibt das Kaufsignal aktiv. Am Punkt C erreicht der Trend seinen Hochpunkt. Zu diesem Zeitpunkt kann aber noch niemand wissen, dass dies der höchste Punkt des Aufwärtstrends sein wird. Für den Trendfolger wird der Aufwärtstrend erst im Punkt D beendet. Denn dort unterschreitet der Kurs den GD.

Bild 2: Trendfolger im idealtypischen Aufwärtstrend

B2 Trendfolger

Im Bild 2 wird ein Trendfolger im idealtypischen Aufwärtstrend gezeigt.Die stilisierte Grafik eines idealen Aufwärtstrends verdeutlicht, dass Trendfolger immer mit Verzögerung in den Markt einsteigen und erst nach einem Top ihre Positionen verkaufen. Als Faustregel gilt, dass von einem Trend etwa ein Drittel bis zur Hälfte mitgenommen werden kann.

Wir  erkennen,  dass  Trendfolger immer in Richtung des übergeordneten Trends investieren. Dabei können jedoch die Kauf- beziehungsweise  Verkaufssignale nie an den Tief- beziehungsweise Hochpunkten auftreten.  Diese markanten  Chart-Punkte sind erst im Nachhinein als solche erkennbar. Um es salopp auszudrücken: Trendfolger steigen immer etwas später in den Trend ein und etwas später aus einem Trend wieder aus. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass Trendfolgeindikatoren aufgrund ihrer Konstruktion erst mit einer gewissen Verzögerung reagieren.

Was sich zunächst wie ein Nachteil anhört, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als entscheidender Vorteil. Denn die eingebaute Verzögerung sorgt dafür, dass in aller Regel nur in etablierte Trends investiert wird. Damit wird die Anzahl der Fehl-Trades drastisch reduziert. Je nach Zeithorizont werden Trendfolgestrategien in langfristigen Auf- beziehungsweise Abwärtstrends die größten Erfolge aufweisen. In Seitwärtsphasen (Sägezahnmärkte) muss dagegen mit Fehl-Trades gerechnet werden.

Trendfolgemodelle haben  einige  Besonderheiten. Sie sind zum einen prognosefrei, da sie einem Trend folgen. Zum anderen folgen sie der alten Börsenweisheit „Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen“. Gleichzeitig  weisen  Trendfolgestrategien eine  hohe  Transparenz auf, da sie regelgebunden sind und damit ihre Ergebnisse in verschiedenen Marktphasen, sowohl historisch als auch auf Basis von simulierten Märkten, eindeutig bestimmbar sind.

Der Zufall mischt mit

Wir haben zu Beginn gesehen, dass Trends als Ergebnis eines Massenphänomens sehr stark von der Psychologie der beteiligten Anleger abhängen. Nun werden wir zeigen, dass die Entstehungsgeschichte eines Trends auch aus einem ganz anderen Blickwinkel erklärt werden kann.

Hierzu ist in Bild 3 ein Kursverlauf abgebildet. Dabei fällt auf, dass dieser Chart dem Kursverlauf eines realen Finanzmarkttitels täuschend ähnlich sieht. In Wirklichkeit wurde der Chart aber auf Basis von Zufallskursen erzeugt. Es handelt sich um den berühmten „Random Walk“ (Zufallsbewegung), mit der in der Finanzmathematik Zeitreihen modelliert werden.

Im Bild 3 wird ein per Zufall erzeugter künstlicher Kursverlauf gezeigt. Der Chart zeigt einen auf dem Zufallsprinzip basierenden künstlichen Kursverlauf (Random Walk) mit GD(200) (rot) und GD(50) (gelb). Mit einer Strategie auf Basis des GD(200) wären selbst in dieser zufälligen Zeitreihe die ausgeprägten langen Trends „eingefangen“ worden.

Bild 3: Per Zufall erzeugter künstlicher Kursverlauf

Per Zufall erzeugter künstlicher Kursverlauf

Das erstaunliche Ergebnis: Trends können auch zufällig entstehen, ohne dass hier irgendeine Logik dahinter steckt. Die eingezeichneten Gleitenden Durchschnitte mit den Periodenlängen 50 (GD(50)) und 200 (GD(200)) zeigen, dass sich diese Trends sogar über längere Zeiträume sehr stabil halten können. Offensichtlich hätten wir den dargestellten Chart – wäre es eine Aktie gewesen – sehr profitabel handeln können, indem wir einfach nur solange investiert gewesen wären, wie sich der Kurs oberhalb des GD(200) gehalten hätte. Der Clou dabei: Wir müssen uns keine Gedanken über fundamentale Zusammenhänge oder Unternehmensmeldungen machen oder diese auch noch logisch verknüpfen. Wir akzeptieren einfach, dass sich Kurse rein zufällig entwickeln. Deshalb fragen technisch orientierte Trendfolge-Trader nie nach dem „Warum“ einer Kursentwicklung. Es ist für die Analyse schlicht nicht relevant.

Es gibt zahlreiche Methoden, mit denen wir Trends erkennen und auch messen können. Hierzu zählen zum Beispiel  die lineare  Regression,  die Elliott-Wave-Analyse*, die Charttechnik sowie zahlreiche technische Indikatoren, die auf Basis historischer Kursdaten berechnet werden. Im Folgenden wollen wir die wichtigste Technik vorstellen: Gleitende Durchschnitte.

Aktienkurse bewegen sich nicht geradlinig nach oben oder nach unten. Vielmehr gibt es zahlreiche Tagesentwicklungen, die eher als Zufallsschwankung zu bezeichnen sind. Mathematiker und Statistiker  sprechen hier von „Rauschen“. Das gleiche Prinzip gilt auch bei einem Radiosender. Die wesentlichen Signale – Sprache oder Musik – werden von störenden Frequenzen überlagert. Dieses Rauschen wird mit entsprechenden Filtern unterdrückt, sodass am Ende nur der Moderator oder das Lied zu hören sind.

Genauso funktioniert das Filtern von Aktienkursen. Mit der Bildung eines Durchschnittskurses werden die zufälligen Schwankungen unterdrückt und damit herausgefiltert. Übrig bleibt eine geglättete Linie, die den Trend eines Index, einer Aktie oder eines beliebigen Finanzinstruments wiedergibt. Je länger das gewählte Zeitintervall für die Bildung des Durchschnittskurses ist, umso glatter wird die entstehende Kurve. Die tägliche Veränderung eines GD(200) ist entsprechend gering. Das bedeutet, dass ein GD(200) recht träge ist. Diese Eigenschaft ist aber auch gewünscht, da dann Ausreißer bei der Betrachtung kaum eine Rolle spielen.

Die Anwendung des GD(200): Signale

Aus den täglich neu ermittelten Werten des GD(200) können wir nun eine zusammenhängende Linie konstruieren. Der Vergleich mit dem aktuellen Kurs eines Wertpapiers signalisiert dann, ob das betrachtete Wertpapier sich im Auf- oder Abwärtstrend befindet. Wenn der Kurs unterhalb des GD(200) liegt, gehen wir von einem vorherrschenden Abwärtstrend aus. Kreuzt die Kurslinie in der nächsten Phase den GD(200) nach oben, geht der zugrunde liegende Wert in einen Aufwärtstrend über. Kreuzt der Kurs den GD(200) dagegen von oben nach unten, wechselt der Titel von einem Auf- in einen Abwärtstrend.

Das Bild 4 zeigt eine 200-Tage-Linie am Beispiel von adidas.

200-Tage-Linie ADIDAS

So wünschen es sich Trendfolge-Trader: Bei adidas wäre auf Basis des GD(200) am 21.12.2011 ein Einstieg signalisiert worden. Erst am 30.01.2014 wäre diese Aktie durch das Unterschreiten der 200-Tage-Linie mit einem satten Gewinn verkauft worden. Zwischenzeitlich notierte adidas ununterbrochen oberhalb des GD(200).

In Bild 4 sehen Sie als Beispiel die adidas-Aktie, die sich besonders lange im Aufwärtstrend befand. Dargestellt ist der 3-Jahres-Zeitraum von Juli 2011 bis Juli 2014. Ebenfalls eingezeichnet ist der GD(200) (blaue Linie). Mit einer blauen Senkrechten haben wir das Kaufsignal vom 21. Dezember 2011 markiert. Der Kurs von adidas notierte zu diesem Zeitpunkt knapp unterhalb von 50 Euro. Trendfolger hätten die Aktie zu diesem Zeitpunkt gekauft. Danach stieg adidas kontinuierlich an, wobei bis Ende Januar 2014 – also über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren – die 200-Tage-Linie auf Schlusskursbasis kein einziges Mal unterschritten wurde.

Erst am 30. Januar 2014 lag der Schlusskurs unterhalb des GD(200). Für Trendfolger war dies das Zeichen zum Ausstieg. Im Chart haben wir diesen Tag mit einer roten senkrechten Geraden markiert. Ein Verkauf der Aktie hätte dann am 31. Januar 2014 mit der Eröffnung zum Kurs von ungefähr 83,50 Euro erfolgen können. Insgesamt hätte sich mit diesem Trade innerhalb von zwei Jahren ein Gewinn von etwa 67 Prozent ergeben.

Vor- und Nachteile der 200-Tage-Linie

Wir haben am Beispiel von adidas gesehen, dass mit Signalen auf Basis der 200-Tage-Linie ohne großen Aufwand ganz ordentliche Gewinne eingefahren werden können. Bei langfristigen stabilen Trends gehört diese Strategie damit zu den besten Ansätzen überhaupt.

Allerdings gibt es einen kleinen Haken: Trendfolger erwarten nach einem Trendwechsel einen weiteren Kursverlauf in Richtung des neuen Trends. Kreuzt ein Kurs jedoch die Trendlinie sehr schnell wieder, dann lag aus Sicht der Trendfolge ein Fehlsignal vor. Diese können in längeren Seitwärtsphasen häufig hintereinander auftreten, da dann die Kurse ständig um den GD(200) pendeln. Ebenfalls am Beispiel von adidas haben wir solche für Trendfolger unter Umständen sehr verlustreiche Seitwärtsphasen in Bild 5 gekennzeichnet.

Bild 5: adidas mit 200-Tage-Linie in der Seitwärtsphase

Adidas mit 200-Tage-Linie in der Seitwärtsphase

Am Langfrist-Chart von adidas wird deutlich, dass es in Seitwärtsphasen zu häufigen Fehlsignalen kommen kann. Hier können sich bei strikter Einhaltung der Handelsregel, die sich schlicht an der 200-Tage-Linie orientiert, beträchtliche Verluste ansammeln.

Die Nachteile dieser Seitwärtsphasen können wir allerdings mit einem kleinen Trick drastisch reduzieren. Die Idee ist so einfach wie genial: Wir legen ein Band um die 200-Tage-Linie und handeln erst, wenn die Grenzen dieses Bandes über- beziehungsweise unterschritten werden. Als Auf- beziehungsweise Abschlag zum GD(200) wählen wir ein Vielfaches der durchschnittlichen täglichen Schwankungsbreite – auch unter der Bezeichnung Average True Range (ATR)* bekannt. Alternativ kann aber auch ein prozentualer Abstand zur 200-Tage-Linie gewählt werden. Dieser sollte zwischen einem und drei Prozent betragen.

GD(200) mit Sicherheitsband

Am Beispiel des DAX zeigen wir jetzt die Unterschiede zwischen der herkömmlichen Anwendung der 200-Tage-Linie und der modifizierten Methode unter Zuhilfenahme eines Sicherheitsbandes. Hierzu haben wir zunächst in Bild 6 den DAX mit GD(200) und allen Kauf- sowie Verkaufssignalen für den Zeitraum von 1995 bis 2016 dargestellt. Dabei wurde bei Verkaufssignalen lediglich die Long-Position geschlossen. Short-Positionen haben wir nicht berücksichtigt. Unterhalb des Kursverlaufs ist die Entwicklung der hypothetischen Kapitalkurve (Equity) zu sehen. Diese ist zum besseren Vergleich ebenfalls in DAX-Punkten angegeben.

Bild 6: DAX mit Handelssignalen der 200-Tage-Linie

B6 DAX mit Handelssignalen der 200-Tage-Linie

Im Bild 6 sehen Sie den DAX-Chart mit Kauf- und Verkaufssignalen sowie der 200-Tage-Linie. Unterhalb des Charts ist die Kapitalkurve in DAX-Punkten eingezeichnet (blaue Linie), wobei die rote Linie die Summe der geschlossenen Trades anzeigt. Die Performance der  Trendfolgestrategie verläuft durch die Vermeidung hoher Verluste relativ konstant. Allerdings wird die Performance durch die Ansammlung von Verlust-Trades in Seitwärtsphasen teilweise stark vermindert.

Sie sehen: Die richtig großen Trends werden mit dieser Methode garantiert erwischt. Allerdings kostet der Erfolg auch etwas. Denn in Seitwärtsphasen werden durch häufiges Kreuzen des GD(200) zahlreiche Fehlsignale generiert. Diese sind zwar betragsmäßig jeweils sehr klein, summieren sich aber im Lauf der Zeit ordentlich auf. Dennoch bringt bereits diese einfache Handelsregel ein deutlich besseres Ergebnis als eine Buy-and-Hold-Strategie auf den Index.

Zum Vergleich haben wir in Tabelle 1 einige Kennzahlen zusammengefasst. Die Tabelle zeigt die wichtigsten Kennzahlen einer einfachen Trendfolgestrategie auf Basis des GD(200) am Beispiel des DAX. Die Rendite liegt etwa einen Prozentpunkt pro Jahr höher als bei einer Buy-and-Hold-Position. Die Trefferquote von 35 Prozent deutet auf ein eher durchschnittliches System hin. Dennoch ergibt sich aufgrund der relativ hohen Gewinn-Trades ein hoher Profitfaktor von über 3.

Tabelle 1: Kennzahlen GD(200)-Trendfolgestrategie

Tabelle 1 Kennzahlen

Bei einem Startwert von 2123 Punkten landete der DAX am Ende des Betrachtungszeitraums bei 10 457 Punkten – ein Nettogewinn von 8330 Punkten oder umgerechnet 390 Prozent. Auf Jahresbasis konnte mit einer durchgehenden Investition in den DAX eine Rendite von 7,50 Prozent erzielt werden. Trendfolger, die sich an der 200-Tage-Linie orientieren, hätten im gleichen Zeitraum mit 10 208 Punkten knapp 2000 Punkte mehr erzielt. Dies sind immerhin bezogen auf den Startwert 100 Prozent mehr, auch wenn sich das in der Jahresrendite mit 8,50 Prozent nicht ganz so üppig darstellt. Der Zinseszinseffekt sollte in diesem Fall aber nicht unterschätzt werden.

Im nächsten Schritt haben wir nun diese einfache Handelsregel dergestalt variiert, dass wir ein Kaufsignal erst dann erhalten, wenn der DAX die 200-Tage-Linie mit der dreifachen ATR überschritten hat. Die Position wurde erst wieder geschlossen, nachdem der DAX mit der doppelten ATR unter die 200-Tage-Linie gefallen war. Auch hier wurden nur Long-Positionen berücksichtigt. Die Handelssignale und die Entwicklung der Kapitalkurve sind in Bild 7 dargestellt.

Das Bild 7 zeigt den DAX mit Handelssignalen des modifizierten GD(200)-Ansatzes.

DAX mit Handelssignalen des modifizierten GD(200)-Ansatzes

Im Bild wird deutlich, dass beim modifizierten Ansatz um die 200-Tage-Linie nochmals ein Sicherheitsband gelegt wird. Wir erhalten ein Kaufsignal, wenn der DAX die 200-Tage-Linie mit der dreifachen ATR überschritten hat. Die Position wird geschlossen, nachdem der DAX mit der doppelten ATR unter die 200-Tage-Linie fällt. Hierdurch wird die Anzahl von Fehl-Trades in Seitwärtsphasen erheblich reduziert.

Wir erkennen, dass sich die Anzahl der Trades deutlich reduziert hat. Dabei ist das Ergebnis mit 11 472 DAX-Punkten nochmals deutlich besser ausgefallen. Hierzu haben wir die relevanten Kennzahlen in Tabelle 2 zusammengefasst. Die Trade-Anzahl hat sich von 55 auf neun erheblich reduziert. Von diesen neun Trades konnten acht mit Gewinn abgeschlossen werden, wobei der Gesamtge- Trendfolgestrategiegewinn nochmals um mehr als 1000 Punkte höher lag. Über die Zeit ergibt sich hier mit wenig Aufwand eine Rendite von neun Prozent pro Jahr.

Durch die Modifizierung ist unser Ergebnis deutlich besser ausgefallen.

Tabelle 2: Kennzahlen modifizierte GD(200)-Trendfolgestrategie.

Tabelle 2 Kennzahlen

Am Ende der beiden Tabellen 1 und 2 haben wir noch den Profitfaktor aufgeführt. Grob gesagt gibt der Profitfaktor an, wie viele Einheiten Gewinn wir pro Einheit an Verlust machen. Der Wert von 3,24 beim „normalen“ GD(200)-Ansatz auf den DAX zeigt, dass pro Verlustpunkt durchschnittlich 3,24 Punkte verdient werden konnten. Diese Zahl erhöht sich beim modifizierten Ansatz auf sagenhafte 41,2 Punkte. Damit kommen wir zu dem vermutlich wichtigsten Punkt beim Trendfolgehandel auf Basis der 200-Tage-Linie: das deutlich reduzierte Risiko.

Verluste gering halten und Gewinne laufen lassen

Mit dem regelbasierten Ansatz wird das Risiko in erheblichem Umfang reduziert. Wir haben hierzu in einem weiteren Chart die Kapitalkurve des modifizierten GD(200)-Ansatzes mit Sicherheitsband dem DAX gegenübergestellt (Bild 8).

Das Bild 8 zeigt die Kapitalkurve Buy and Hold versus modifizierter GD(200)-Ansatz.

Kapitalkurve Buy and Hold vs modifizierter GD(200)

Beim Vergleich (Bild 8) der Kapitalkurven einer Buy-and-Hold-Strategie (rot) und des beschriebenen Trendfolgeansatzes wird deutlich, dass der Vorteil der systematischen Vorgehensweise in der Vermeidung hoher Verluste liegt. In starken Trendphasen wird das System in aller Regel etwas schlechter abschneiden als der Markt selbst.

Vergleich Drawdown BUY and Hold vs modifizierter GD(200)

In der Grafik (Bild 9) haben wir die Verlustphasen einer Buy-and-Hold-Strategie (rot) mit den Verlustphasen der modifizierten GD(200)-Strategie (blau) verglichen. Gerade in den massiven Baisse-Phasen werden die Verluste beim Trendfolgeansatz frühzeitig abgeschnitten und ein Wiedereinstieg erfolgt in aller Regel zu deutlich niedrigeren Kursen.

Dabei fällt ein wesentlicher Pluspunkt der Strategie sofort ins Auge: In Phasen großer Korrekturen sind die Trendfolger nicht investiert und betrachten das Geschehen von der Seitenlinie.

Die waagerechten Striche bei der System-Equity zeigen, dass das System in diesen Abwärtstrends nicht investiert war. Das ist das grundlegende Geheimnis erfolgreichen Investierens. Dabei ist in der Grafik noch nicht einmal erfasst, dass die frei gewordene Liquidität für andere, ertragreichere Investitionen genutzt werden kann.
In den Phasen starker DAXAnstiege kann das System aber ohne Einsatz eines Hebels den Index nicht schlagen. Auch die meisten Fondsmanager bleiben in diesen bullischen Phasen hinter der Index-Performance zurück. Langfristig spektakuläre Gewinne können nur dann erzielt werden, wenn enorme Verluste vermieden werden. Erreicht wird dies dadurch, dass das Investitionskapital möglichst lange in den großen Trends gehalten wird. Dagegen wird durch das rasche Schließen verlustreicher Positionen Kapital für ertragreichere Investitionsmöglichkeiten freigesetzt.

Fazit

Eine regelbasierte Trendfolgestrategie ist in der Lage, höhere Gewinne bei gleichzeitig reduziertem Risiko zu erzielen. Dies haben wir anhand eines einfachen, grundlegenden Beispiels gezeigt, das sich für den Praxiseinsatz weiter ausbauen lässt. Höhere Renditen bei geringerem Risiko sind der entscheidende Grund, warum die Trendfolgetechnik die am häufigsten verwendete Strategie beim Einsatz technisch orientierter Handelsansätze ist. Indem man jenen Märkten fernbleibt, die sich in langfristigen Abwärtstrends befinden, kann freigesetztes Kapital in andere gewinnbringende Finanzinstrumente investiert und damit zusätzliche Rendite erzielt werden.«

-> Lesen Sie auch: Trading Trendlinien - In drei einfachen Schritten

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Der Autor:

Rudolf Wittmer

Diplomingenieur Rudolf Wittmer ist u.a. seit mehr als 20 Jahren als Fondsmanager und Berater für Hedgefonds tätig.

Quelle: Traders' Mag.

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