Die Elliott-Wellen-Theorie

Grundstruktur Elliott-Wellen-Theorie

Die Elliott-Wellen-Theorie wurde von Ralph N. Elliott entwickelt und ist laut diesem eine wertvolle Ergänzung zur Dow-Theorie (von Charles Dow, welcher auch als Urvater der Technischen Analyse gilt). Die Theorie basiert auf der Fibonacci-Zahlenfolge und geht davon aus, dass sich der Markt stets in wiederkehrenden Mustern bewegt.
Zudem kann für jede Marktsituation ein passender „Count“ gefunden werden, welcher aber immer erst im Nachhinein mit vollständiger Sicherheit bestimmt werden kann. Jede Prognose ist somit nur eine potenzielle Zählweise und kann jederzeit revidiert werden. Aus diesem Grund kann es von Vorteil sein, alternative Einordnungen (die zum jeweils aktuellen Zeitpunkt ebenfalls möglich sind) zu berücksichtigen. Tritt der präferierte Fall dann nicht ein, kann auf einen Alternativ-Count zurückgegriffen werden.

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Das Grundkonzept

Laut der Elliott-Wellen-Theorie tritt ein Fünf-Wellen-Muster in Trendrichtung auf und eine Korrektur besteht aus drei Wellen. Es gibt jeweils verschiedene Bezeichnungen für unterschiedliche Ausprägungen dieser Bewegungen.
Die fünf Wellen werden auch als Antrieb bezeichnet und die drei Wellen als Korrektur. Ein gesamter Zyklus besteht damit aus acht Wellen (5+3). Diese einzelnen Wellen können wiederum unterteilt werden und haben eigene Antriebe und Korrekturen in der untergeordneten Zeiteinheit.

Grundstruktur Elliott-Wellen-Theorie

Bild 1: Die Grundstruktur besteht aus einem fünfwelligen Antrieb und einer dreiwelligen Korrektur.


Der Antrieb

Die fünf Wellen des Antriebs werden in der Bezeichnung von 1-5 nummeriert. Die Wellen 2 und 4 sind somit gegenläufige Bewegungen und die Wellen 1, 3 und 5 sind in Richtung des Trends. Aus diesem Grund bestehen letztere aus jeweils fünf Subwellen. Die 2. und die 4. Welle sind Korrekturen und deshalb dreiteilig.
Ein gesamter Antrieb hat deshalb 21 Subwellen (5+3+5+3+5).

Die Korrektur

Die drei Wellen der Korrektur werden mit den Buchstaben a-c abgezählt. Die Welle a und die Welle c nehmen hier den Antrieb (der Korrekturbewegung) vor. Die Welle b ist eine Korrektur innerhalb des Musters. Daraus folgt, dass sich a und c aus 5 Subwellen zusammensetzen und b aus 3 Subwellen besteht.
Die gesamte Korrektur hat deshalb 13 Subwellen (5+3+5).

Der Zyklus

Da auf einen Antrieb eine Korrektur (groß betrachtet also 2 Wellen, 1 Antrieb + 1 Korrektur = 2) folgt, werden beide Ereignisse hintereinander als Zyklus betrachtet. Sind die Wellen 1-5 und a-c aufgetreten, kam es zur Ausbildung von 8 Wellen (5+3) bzw. 34 Subwellen (21+13).
Diese Aufteilung kann innerhalb der einzelnen Subwellen erneut vorgenommen werden. Dafür muss lediglich eine niedrigere Zeiteinheit betrachtet werden. Auffällig ist nun, dass alle genannten Zahlen (1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34) gemeinsam die Fibonacci-Zahlenfolge widerspiegeln. 
Ordnet man die 34 Subwellen wieder in untergeordnete Wellen ein, so wird man feststellen, dass der Antrieb dann 89 einzelne Bewegungen umfasst und die Korrektur 55 Wellen beinhält. Addiert man diese Zahlen ist das Ergebnis 144. 55, 89 und 144 sind zudem die nächsten Glieder der Fibonacci-Zahlenfolge.

Antriebswellen EWT

Bild 2: Die Antriebswellen bestehen erneut aus fünf Wellen und die Korrekturen aus drei Wellen.


Die Bezeichnung

Wie bereits erwähnt, werden Antriebswellen mit den Zahlen 1 bis 5 gekennzeichnet und für Korrekturen wählt man die Buchstaben a bis c. Allerdings ist es essenziell die Wellen der verschiedenen Ordnungen voneinander unterscheiden zu können, da die Zyklen der unterschiedlichen Zeiteinheiten nahtlos ineinander übergehen. Aus diesem Grund findet man häufig die folgende Zählweise:

Antriebswellen

Zunächst die römischen Zahlen in groß:                        I, II, III, IV, V.
In der niedrigeren Zeiteinheit dann:                               1, 2, 3, 4, 5.
Darauf folgen dann die römischen Zahlen in klein:        i, ii, iii, iv, v.
In den meisten Fällen werden die einzelnen drei Varianten noch einmal in drei Ebenen unterteilt, indem verschiedene Klammern hinzugefügt werden. Rein bezogen auf die erste Welle wäre die Zählweise bezogen auf die unterschiedlichen Ebenen der Zyklen: [I], (I), I, [1], (1), 1, [i], (i), i. Im Anschluss beginnt man erneut von vorne.

Korrekturwellen

Zuerst kleine Buchstaben:                       a, b, c.
In der niedrigeren Zeiteinheit dann:         A, B, C.
Auch hier findet die Unterscheidung mit den drei Klammern statt: [a], (a), a, [A], (A), A (bezogen auf die erste Korrekturwelle). Auf die Großbuchstaben folgen erneut die Kleinbuchstaben.

Bei vielen Trading-Softwares wird statt einer eckigen Klammer ein Kreis verwendet, in dem dann die entsprechende Zahl bzw. der Buchstabe steht.   

Klassifizierung

Die Antriebs- und Korrekturbewegungen können zudem weiter in verschiedene Muster mit genauen Charakteristika eingeteilt werden. Zu den Antriebsmustern gehört der Impuls und das Leading und Ending Diagonal (Führende und Beendende Diagonale).

Die dreiwelligen Korrekturen treten als Zig-Zag (Zickzack), Flat (Flach) oder Dreieck auf. Ein Zig-Zag setzt sich aus einer 5, 3, 5-Abfolge der Subwellen zusammen. Das Flat-Muster besteht aus einer 3, 3, 5-Folge und die Dreiecke treten in fünf Wellen auf (Abzählung: a, b, c, d, e). Die Subwellen sind in diesem Fall dann nach dem Prinzip 3, 3, 3, 3, 3.
Allgemein können die Korrekturen aber auch einen komplexeren Charakter annehmen und sich aus verschiedenen Mustern zusammensetzen.

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Autor und Quelle:

Jan Fuhrmann

Jan Fuhrmann beschäftigt sich in seiner Freizeit ausgiebig mit der Technischen Analyse der Finanzmärkte. Interessierten hilft er gerne mit seinen täglichen Aktivitäten auf Instagram weiter, wo er gemeinsam mit einem Freund die Accounts @die.aktionaere und @die.trader führt. Das Hauptziel ist dabei die Förderung der Aktionärskultur in Deutschland.

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